Webdesign & Entwicklung

Wenn WordPress nicht mehr reicht: Wann sich ein Website-Relaunch lohnt

WordPress ist das meistgenutzte Redaktionssystem der Welt, und für viele Firmenwebsites war es vor fünf oder zehn Jahren die richtige Wahl. Seither hat sich verschoben, was eine Website leisten muss: Google bewertet die Ladezeit, am Handy muss alles sitzen, und die Liste der Sicherheitslücken in Plugins wird jedes Jahr länger. Wenn Ihre Seite langsam wirkt und ständig nach Updates verlangt, liegt das selten an Ihnen. Meist liegt es an dem, was im Lauf der Jahre auf ihr gewachsen ist.

7 Minuten Lesezeit

Manuel Lutz von Invisions mit verschränkten Armen im weißen Invisions-Shirt vor einem Tiroler Holzhaus im Abendlicht.Manuel Lutz
Druckgrafik auf vergilbtem Papier: ein gestempelter Computerbildschirm auf Standfuß in dunklem Blau, auf dem Bildschirm eingerückte Codezeilen mit Zeilennummern, eine davon orange, darunter getippt Invisions Marketingagentur, Nr. 08, WordPress / Relaunch / Performance, 2026
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Laut W3Techs läuft WordPress auf rund 40 Prozent aller Websites und auf knapp 59 Prozent jener Seiten, deren Redaktionssystem sich erkennen lässt (Stand September 2026). Diese Verbreitung ist Stärke und Schwäche zugleich: Für fast alles gibt es ein Plugin, und genau daraus entstehen die meisten Probleme.

Wir kennen beide Seiten. Unsere eigene Website lief bis zum Sommer 2026 auf WordPress, seit August läuft invisions.at auf Next.js, die Inhalte pflegen wir in Sanity. Was wir dabei gelernt haben und woran Sie erkennen, ob ein Umstieg auch für Ihren Betrieb sinnvoll ist, steht hier.

Wo WordPress an seine Grenzen stößt

Fünf Punkte hören wir in fast jedem Gespräch über eine bestehende WordPress-Seite. Keiner davon ist ein Konstruktionsfehler von WordPress selbst. Sie entstehen aus der Art, wie die meisten Seiten damit gebaut und über Jahre erweitert werden.

1. Ladezeit

Ein klassisches WordPress setzt jede Seite beim Aufruf neu zusammen: PHP wird ausgeführt, die Datenbank abgefragt, Theme und Plugins hängen ihre Skripte und Stylesheets an. Caching-Plugins fangen einen Teil davon ab. Jede weitere Erweiterung bringt aber eigenen Code mit, der oft auf jeder Unterseite mitlädt, auch dort, wo ihn niemand braucht.

Moderne Frameworks wie Next.js gehen den umgekehrten Weg. Sie rechnen die Seiten vorab aus und liefern fertiges HTML über ein weltweit verteiltes Servernetz aus. Ändert die Redaktion einen Text, wird nur die betroffene Seite neu erzeugt. Next.js nennt das Incremental Static Regeneration.

2. Sicherheit

Wer so verbreitet ist wie WordPress, ist auch das lohnendste Ziel für automatisierte Angriffe. Der Sicherheitsdienstleister Patchstack hat für 2025 im WordPress-Umfeld 11.334 neue Sicherheitslücken gezählt, 42 Prozent mehr als im Jahr davor. 91 Prozent davon steckten in Plugins, 9 Prozent in Themes, im WordPress-Kern selbst waren es sechs. Bei 46 Prozent der Lücken gab es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch kein Update des Herstellers.

Das Risiko sitzt also selten in WordPress selbst, sondern in dem, was man daran anschließt. Jedes Plugin ist eine zusätzliche Tür, und jede muss jemand im Auge behalten.

Bei einer vorab ausgerechneten Website liegen auf dem ausliefernden Server weder PHP noch eine Datenbank noch ein Plugin-Verzeichnis. Die Redaktion arbeitet in einem eigenen, gehosteten Redaktionssystem, getrennt von der Seite, die Ihre Kundschaft sieht. Die Angriffsfläche wird dadurch deutlich kleiner. Ganz verschwindet sie nie, aber es bleibt viel weniger, das man absichern muss.

3. Wartung

Eine WordPress-Seite braucht laufend Updates: für den Kern, für jedes Plugin, für das Theme und für PHP auf dem Server. PHP 8.1 etwa bekommt seit 31. Dezember 2025 keine Sicherheitsupdates mehr, WordPress selbst empfiehlt inzwischen PHP 8.3 oder neuer. Bleibt ein Update liegen, bleibt eine Lücke offen. Wird es eingespielt, verträgt sich danach manchmal ein Plugin nicht mehr mit dem anderen, und das Kontaktformular schweigt, bis es jemand bemerkt.

Auch eine Next.js-Seite ist nicht wartungsfrei. Der Unterschied liegt im Zeitpunkt: Abhängigkeiten werden beim Bauen einer neuen Fassung aktualisiert und geprüft, bevor sie online geht, nicht im laufenden Betrieb. Bricht dabei etwas, bleibt die bisherige Fassung einfach online.

4. Gestaltung

Themes versprechen viel Freiheit und liefern oft dasselbe Raster wie auf tausend anderen Seiten. Was über die Optionen des Themes hinausgeht, entsteht meist aus Shortcodes, Seitenbaukästen und Zusatzfeldern, die aufeinander aufbauen und beim nächsten Update gemeinsam wackeln.

Wird eine Website für den Betrieb gebaut, dem sie gehört, gibt es keine Vorlage, deren Grenzen man umschiffen muss. So arbeiten wir in der Webentwicklung: Gestaltung und Code entstehen gemeinsam, und die Seite sieht nach Ihrem Unternehmen aus, nicht nach einem Theme.

5. Sichtbarkeit bei Google

Google verwendet die Core Web Vitals in seinen Ranking-Systemen. Als gut gelten eine Ladezeit des größten Elements (LCP) von höchstens 2,5 Sekunden, eine Reaktion auf Eingaben (INP) unter 200 Millisekunden und ein Layout, das beim Laden kaum springt (CLS unter 0,1).

Viele WordPress-Seiten schaffen das nicht. Im Web Almanac 2025 des HTTP Archive liegt WordPress mit einer Bestehensquote von 45 Prozent am Handy unter den Schlusslichtern der großen Redaktionssysteme. Aufgeblähter Code, zu viele Anfragen und schwere Bilder ziehen die Werte nach unten.

Google betont zugleich, dass gute Werte allein keinen Spitzenplatz garantieren: Gezeigt wird, was am besten zur Suchanfrage passt. Eine schnelle Seite ohne guten Inhalt rankt nicht, eine langsame mit gutem Inhalt verschenkt aber Potenzial. Wer die Werte beim Bau einplant, muss sie später nicht mit Plugins retten.

Für wen lohnt sich der Umstieg?

Nicht jede WordPress-Seite muss weg. Betreiben Sie einen Blog mit Tausenden Beiträgen, den Ihr Team täglich selbst befüllt, oder einen gewachsenen WooCommerce-Shop mit eingespielten Abläufen, kann WordPress weiterhin die richtige Wahl sein. Dann lohnt es sich eher, Plugins auszumisten und die Seite zu entschlacken.

Ein Umstieg lohnt sich besonders in diesen Fällen:

  • Ihre Website repräsentiert Ihr Unternehmen und soll Kundinnen und Kunden überzeugen.
  • Ladezeit und Sicherheit sind für Ihr Geschäft entscheidend.
  • Sie wollen ein eigenständiges Design, das nicht nach Vorlage aussieht.
  • Sie wollen keine Zeit mehr in Updates, Plugin-Konflikte und Sicherheitswarnungen stecken.

Was ein Relaunch bringt: unser eigener Umstieg

Im Sommer 2026 haben wir invisions.at von WordPress auf eine neue Grundlage gestellt: Next.js für die Seite, Sanity als Redaktionssystem, ausgeliefert über Vercel. Vier Dinge haben sich dabei für uns spürbar verändert.

  • Inhalte ohne Code. Blogbeiträge, Projektseiten und Stellenanzeigen pflegen wir im Redaktionssystem. Eine Änderung ist nach dem Veröffentlichen innerhalb einer Minute online.
  • Kein Plugin-Verzeichnis mehr. Formulare, Weiterleitungen und strukturierte Daten sind Teil des Codes und keine Erweiterungen verschiedener Hersteller, die einzeln aktualisiert werden wollen.
  • Videos laden erst, wenn sie ins Bild kommen. Die schwersten Dateien einer Seite werden nur übertragen, wenn jemand bis zu ihnen scrollt.
  • Die alten Adressen leben weiter. Die Adressen der alten WordPress-Seite leiten dauerhaft auf ihre neuen Entsprechungen weiter, darunter 176 alte Projektadressen. So laufen weder Links noch Suchmaschinen ins Leere.

Gerade der letzte Punkt entscheidet über einen Relaunch. Die Liste aller alten Adressen gehört vor den Start, nicht danach: Wer erst umzieht und dann nachsieht, was Besucher und Google noch aufrufen, verliert in der Zwischenzeit genau die Links, die über Jahre Vertrauen gesammelt haben. Und wer ohnehin neu baut, plant die Barrierefreiheit am besten gleich mit ein.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Am günstigsten dann, wenn ohnehin etwas Größeres ansteht: ein neues Erscheinungsbild, ein neues Angebot oder ein PHP-Update, das die alten Plugins nicht mehr mitmachen. Dann fließt das Geld nicht mehr in die Reparatur eines Systems, das Sie ohnehin ablösen wollen, sondern in eine Grundlage für die nächsten Jahre.

Steht gerade nichts an, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die eigene Seite: Wie schnell lädt sie am Handy, wie viele Plugins laufen, wann wurde zuletzt aktualisiert? Die Antworten zeigen meist schnell, ob gezielte Verbesserungen reichen oder ob ein Neubau die bessere Investition ist.

Quellen

Häufige Fragen

Ist WordPress unsicher?

Der Kern von WordPress nicht. Patchstack hat dort 2025 nur sechs Lücken gezählt, alle mit niedriger Priorität. Das Risiko liegt in Plugins und Themes, und es wächst mit jeder Erweiterung, die installiert und danach nicht mehr gepflegt wird.

Ist Next.js automatisch schneller als WordPress?

Nein. In den Messdaten des HTTP Archive bestehen am Handy derzeit sogar mehr WordPress-Seiten die Core Web Vitals als Next.js-Seiten. Schnell wird eine Seite durch ihre Bauweise: vorab ausgerechnetes HTML, wenig JavaScript und Bilder in passender Größe.

Kann ich die Inhalte nach dem Relaunch selbst pflegen?

Ja. Texte, Bilder und Beiträge liegen in einem Redaktionssystem wie Sanity und lassen sich ohne Programmierkenntnisse bearbeiten. Die Eingabefelder richten wir so ein, dass sie zu Ihren Inhalten passen.

Verliere ich beim Umstieg meine Google-Platzierungen?

Das Risiko ist gering, wenn jede alte Adresse dauerhaft auf ihre neue Entsprechung weiterleitet und die Inhalte erhalten bleiben. Die Liste der Weiterleitungen entsteht deshalb vor dem Start, nicht danach.

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