Grafik & Branding

Markenwiedererkennung, wenn alle dieselben Modelle nutzen

Es gibt einen Look, den man seit etwa einem Jahr überall sieht. Weiches Gegenlicht, flache Tiefenschärfe, warme Haut, ein leicht zu perfektes Gesicht. Er ist nicht hässlich. Er ist nur nicht Ihrer, und das ist ein Problem, das kein zweites Logo löst.

Krissi Debertin6 min Lesezeit

Generative Modelle lernen aus dem, was häufig ist, und geben aus, was wahrscheinlich ist. Das ist kein Fehler, das ist die Funktionsweise. Die Folge sieht man inzwischen in jedem zweiten Feed: Bilder, die niemandem gehören, weil sie von überall stammen könnten.

Warum sich alles ähnelt

Wer ohne genaue Vorgaben generiert, bekommt den Durchschnitt des Trainingsmaterials zurück. Zwei Betriebe in derselben Branche, die beide «modern, hochwertig, sympathisch» in ein Feld tippen, bekommen praktisch dasselbe Ergebnis. Das Werkzeug ist nicht das Problem. Das Briefing ist es.

Machen Sie den Test mit Ihrem eigenen Material: Decken Sie das Logo ab. Wenn danach niemand mehr erkennt, von wem der Beitrag stammt, dann trug bisher das Logo die gesamte Last der Wiedererkennung. Bei Marken, die funktionieren, trägt es vielleicht ein Fünftel davon.

Decken Sie das Logo ab. Was danach übrig bleibt, ist Ihre Marke.
Krissi Debertin, Invisions

Den Rest tragen vier Dinge, und alle vier lassen sich festlegen, bevor irgendein Bild entsteht:

Farbe, aber als Verhältnis

Nicht «unser Blau ist #1B4D8C», sondern wie viel davon vorkommt. Eine Marke, die ihre Akzentfarbe auf fünf Prozent der Fläche begrenzt, sieht anders aus als eine, die damit Hintergründe füllt, obwohl beide denselben Wert benutzen.

Typografie mit einer Haltung

Eine Schrift, konsequent benutzt, trägt mehr Wiedererkennung als drei Schriften mit Regeln, an die sich niemand hält. Auffällig wird sie nicht durch Exotik, sondern durch Größensprung und Laufweite: Wer sehr groß und sehr eng setzt, ist nach zwei Beiträgen erkennbar.

Eine Bildlogik statt eines Bildstils

Ein Stil ist «warm und natürlich» und beschreibt die Hälfte des Internets. Eine Logik ist eine Entscheidung, die man verletzen kann: immer Menschen bei der Arbeit, nie posiert. Immer Tageslicht. Nie das Produkt freigestellt. Solche Sätze taugen als Briefing für eine Fotografin und für ein Modell gleichermaßen.

Sprache, die jemand gesprochen haben könnte

Der zuverlässigste Weg, wie eine Marke gerade unkenntlich wird, ist unredigierter KI-Text. Er ist nie falsch und nie jemandes. Zwei Gewohnheiten reichen oft schon: konkrete Zahlen statt Adjektive, und keine Sätze, die Sie einem Kunden gegenüber nicht so sagen würden.

KI macht das Problem sichtbar, nicht neu

Austauschbare Markenauftritte gab es lange vor generativen Modellen, sie waren nur teurer in der Herstellung. Was sich geändert hat, ist die Geschwindigkeit: Eine Marke ohne klare Vorgaben produziert heute in einer Woche so viel beliebiges Material wie früher in einem Quartal.

Deshalb hat sich die Reihenfolge für uns umgedreht. Früher war das Gestaltungshandbuch etwas, das man nach dem Relaunch anlegte. Heute ist es die Voraussetzung dafür, KI überhaupt einsetzen zu können, ohne dass die Marke dabei verschwindet.

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