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KI-Video gegen echte Produktion: die ehrliche Rechnung

Seit ein paar Monaten kommt diese Frage in fast jedem Erstgespräch: Können wir das nicht einfach mit KI machen? Die ehrliche Antwort lautet manchmal ja. Sie hängt weniger am Budget als daran, was im Bild zu sehen sein soll.

Julia Oberwalder6 min Lesezeit

Am Markt werden für einen einzelnen KI-generierten Werbespot derzeit zwischen 500 und 2.000 Euro aufgerufen. Gegen einen Drehtag mit Team, Technik und Schnitt sieht das nach einer klaren Sache aus. In der Praxis hängt die Antwort davon ab, wie viele Anläufe man braucht und was am Ende im Bild stehen muss.

Wo das Geld bei KI-Video tatsächlich hingeht

Der Generierungsvorgang selbst kostet wenig. Teuer wird die Strecke davor und danach. Ein brauchbarer Clip entsteht selten beim ersten Versuch, und anders als am Set kann man einer Szene nicht sagen, was sie beim nächsten Mal anders machen soll. Man beschreibt sie neu und hofft. Diese Iterationen sind der eigentliche Kostenblock.

PostenKI-ProduktionEchter Dreh
Konzept und Drehbuchgleichgleich
AufnahmeMinuten pro Versuchein bis zwei Tage
Korrekturschleifenhoch, schwer steuerbargering, am Set geklärt
Markenkonsistenzaufwendig herzustellenüber Regie kontrolliert
Rechte an Gesichternkritisch zu klärenvertraglich geregelt
Nachträgliche Änderungmeist NeuproduktionRohmaterial vorhanden
Wo die Arbeit anfällt, je nach Weg

Die letzte Zeile ist die, die im Angebot nie steht und im Projekt am häufigsten weh tut. Nach einem Dreh liegt Rohmaterial vor. Sechs Monate später lässt sich daraus eine kürzere Fassung, ein Hochformat oder ein anderer Schluss bauen. Bei einem generierten Clip gibt es kein Rohmaterial. Es gibt den fertigen Clip, und für die Variante fängt man von vorne an.

Wo KI heute klar gewinnt

  • Abstrakte und stilisierte Bildwelten, in denen niemand überprüfen kann, ob es den Ort gibt
  • Schnelle Varianten für Anzeigentests, bei denen zwanzig Fassungen mehr wert sind als eine perfekte
  • Zwischenbilder und Übergänge, für die sich kein Drehtag rechnet
  • Alles, was sonst als Stockmaterial gekauft würde und ohnehin niemandem gehört

Wo sie noch verliert

  • Ihre echten Leute. Ein Team, das man in der Region kennt, ist der eine Inhalt, den kein Modell liefern kann
  • Ihr Produkt in der Hand, Ihr Betrieb, Ihre Werkstatt. Sobald das Bild etwas belegen soll, muss es echt sein
  • Alles mit konsistenten Gesichtern über mehrere Clips hinweg. Hier scheitern die Modelle noch zuverlässig

Der Posten, den ab August niemand mehr weglassen darf

Ab dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des EU AI Act. Für Betreiber heißt das unter anderem: Wer Bild-, Ton- oder Videoinhalte einsetzt, die einen Deepfake darstellen, muss offenlegen, dass sie künstlich erzeugt wurden.

Die Frage ist nicht, ob KI billiger ist. Die Frage ist, ob im Bild etwas behauptet wird, das stimmen muss.
Julia Oberwalder, Invisions

Wie wir es in Projekten entscheiden

Wir stellen eine einzige Frage an den Anfang: Soll dieses Video etwas zeigen oder etwas behaupten? Ein Video, das eine Stimmung trägt, darf generiert sein. Ein Video, das belegt, wie Sie arbeiten, wer bei Ihnen arbeitet oder wie Ihr Haus aussieht, wird gedreht. In den meisten Projekten laufen beide Wege nebeneinander, und das ist auch die günstigste Variante.

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